Green Up – Ein Interview mit Kubra Ercan

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Kübra Ercan ist die erste Vorsitzende von Hima e.V. und hat sich Anfang des Jahres bei Femyso beworben, um die Koordinatorin für die europaweite Kampagne „Green Up My Community „ zu werden – erfolgreich!

Worum geht es in der kampagne?

In der Kampagne geht es darum eine grüne Bewegung für Umweltschutz unter den Muslimen in Europa zu initiieren. Dies soll vor allem in der Form geschehen, dass Moscheen umweltfreundlicher gestaltet werden.

Wer ist Inititator der Kampagne?

Initiatoren sind Made in Europe und Femyso. Made aus Großbritannien ist eine muslimische Organisation, die sich um globale Bildung und die Bekämpfung von Hunger kümmert und seit letztes Jahr auch einen Schwerpunkt beim Thema Umweltschutz und gerechten Handel.

Femyso ist eine europaweite muslimische Studenten- und Jugendorganisation, sie ist quasi die Dachorganisation der muslimischen Studentenvereinigungen in Europa.

Wie viele Länder nehmen teil?

Offiziell nehmen 9 Länder teil:  Aserbaidschan, Belgien, Bosnien, Frankreich, Italien, Holland, Schweden und Großbritannien.

Hast du Kontakt zu den anderen Koordinatoren?

Ja wir haben Kontakt zueinander, die Kampagne begann mit einem Training in Brüssel bei dem sich alle Koordinatoren getroffen haben und bei dem überlegt wurde wie man Inhalte umsetzen kann. Hier haben wir uns alle kennenlernen können,  und anschließend gab es dann monatliche Onlinesitzungen, in denen wir aktuelle Neuigkeiten und Anregungen zur Umsetzung der Kampagne besprechen. Außerdem haben wir Nummern ausgetauscht und kommunizieren über Whats App. So daten wir uns gegenseitig up was in den Mitgliederländern passiert. Auf einer gemeinsamen Homepage wird ein Blog über die neusten Aktionen geführt, so können auch international ausgerichtete Interessenten die Kampagne mit verfolgen.

Was hat dich gereizt?

Als Gründungsmitglied von Hima habe ich mich schon seit 2010 damit beschäftigt und wir hatten immer im Blickfeld insbesondere Moscheen zu sensibilisieren und ein Umdenken zu erreichen. Dann kommt noch der europäische Austausch dazu, der dazu führt, dass man kreativere Ideen zusammentragen kann -  sich da einzuklinken ist auf jeden Fall reizvoll. Man ist auch in der Umsetzung motivierter, wenn man sieht was die anderen machen und kann so Potentiale europaweit bündeln.

Im Vorfeld gab es einen Workshop in Berlin, letztes Jahr im Dezember, da haben wir gelernt wie man Umweltschutzkampagnen gestalten kann, haben aber auch inhaltlichen Input bekommen. Hier habe ich auch die Initiator-Organisationen kennengelernt und war beeindruckt von der Professionalität und der Spiritualität, die während des Trainings herrschte. Das hat mich zusätzlich motiviert mitzumachen.

Wenn eine Moschee sagt: „Wir machen mit“, wie geht es dann weiter?

 

Das kommt darauf an wer sich meldet – wenn der Vorstand sich direkt meldet, dann wird ein Treffen vereinbart bei dem man die verschiedenen Aspekte der Kampagne gemeinsam durchgeht und sich auf die Maßnahmen einigt, die 2014 umgesetzt werden sollen. Die Moschee wählt dann eine zuständige Person aus, die die Maßnahmen übernimmt und wir unterstützen die Moschee bei der Umsetzung, indem wir die Person nochmal gezielt schulen und begleiten. Wenn es Veranstaltungen gibt oder ähnliches sind wir dabei und helfen auch zu organisieren.

Was würdest du einer Moschee sagen die sagt:  Wir haben Lust mitzumachen,  aber keine Ressourcen?

Wir können das nachvollziehen, Moscheen haben viel zu stemmen, aber es ist einfacher als es sich viele vorstellen -  wir sprechen ja nicht direkt von Solarpanels, sondern von viele kleinen Schritten, z.B. Plakate zum Thema Wasserverbrauch aufzuhängen, die auch mit Hadithen ausgeschmückt sind. Dann ist jeder Moscheebesucher, der ins Bad geht damit konfrontiert, und das macht schon etwas aus, da muss die Moschee gar nicht viel mehr tun.

Oder Mülltrennung in der Moschee: in der Küche z.B., ist auch einfach umsetzbar, wenn man verschiedene Behälter besorgt und beschriftet, Papier hierhin, Restmüll dahin, automatisch ist dann jeder, der in der Küche gearbeitet hat, damit in Berührung gekommen.

Wir versuchen es der Moschee leicht zu machen, und gerade mit solchen Maßnahmen anzufangen, und je nachdem wie es geht und wie die Gemeinde reagiert kann man größere Maßnahmen angehen.

Warum ist Umweltschutz wichtig für eine Moschee? 

Bei Muslimen hören wir häufig: Wir haben viele Probleme und Baustellen, und Umweltschuzt ist da einfach nicht relevant für uns. Aber für uns als Hima ist das nicht vertretbar. Als Moschee ist man ein Gotteshaus, welches sich um die Belange der Gemeinde kümmert, speziell um die spirituellen Bedürfnisse der Gemeinde, und Umweltschutz hat da einen sehr starken Zusammenhang zu unserem allgemeinen religiösen Handlungsleben. Da müsste eine Moschee ganz besonders drauf Wert legen, weil sie eine Vorlbildfunktion für die Gemeinde hat. Dadurch, dass sie grüner wird,  wird sie auch automatisch islamischer werden, das kann man gut durch Quellen belegen. Der diesjährige Tag der offenen Moschee mit dem Motto Islam und Umwelt kam uns da wirklich gelegen, weil viele Vorstände so das erste Mal mit diesem Thema in Berührung gekommen sind, dass dieser Zusammenhang im Islam besteht und sehr deutlich ist.

Können auch einzelne Aktive in der Moschee die Kampagne  umsetzen oder muss es vom Vorstand ausgehen?

Das ist gar kein Problem, es kommt wie gesagt immer darauf an wer sich meldet. Wenn jemand vom Jugendvorstand sich meldet dann schauen wir uns die Schritte an, die er beeinflussen kann, und natürlich beeinflusst dass dann auch die anderen Gemeindemitglieder – es gibt sehr viel was die Jugendgruppen tun können. Dann sieht man wie die Gemeinde reagiert und kann sich vielleicht dann dem Vorstand annähern. Definitiv gibt es viele Paketelemente, die auch einzelne aktiven Gruppen der Gemeinde umsetzen können.

Heute in einem Jahr – was würdest du mit der Kampagne gerne erreicht haben in den Moscheen die mitmachen?

Ich würde gerne auf ein erfolgreiches Jahr zurückschauen können,  in dem mindestens 20 Moscheen umweltfreundlicher geworden sind, und in denen mindestens eine Moschee größere Schritte, wie zum Beispiel Solarpanele auf dem Dach, angegangen ist. Außerdem, dass ganz viele Menschen, Gemeindemitglieder, für dieses Thema sensibilisiert wurden, in der Moschee und zu Hause – Also mindestens 1000 Menschen, die aktiv in der Moschee und in ihrem eigenen Haushalt sich diesem Thema widmen und etwas umsetzen.